Tourismus, der Gutes tut

Interview mit Andrew Miners, Taucher und Öko-Hotelier

Andrew Miners

Im Einklang mit der einheimischen Bevölkerung und einer Balance aus nachhaltigem Tourismus und Naturschutz kann die einzigartige Unterwasserwelt von Raja Ampat erhalten bleiben.

Andrew Miners und ein kleines engagiertes Team haben es erreicht, in einem der artenreichsten Gebiete der Erde ein Schutzgebiet, eine so genannte "no-take-zone", zu errichten. Dadurch wird sichergestellt, dass sich gefährdete Arten ungestört erholen können. Finanziert wird das gesamte Projekt durch Einahmen aus dem Hotelbetrieb und Spenden.

Ein Gespräch über verschwendete Zeit und die Notwendigkeit, sich für das richtige Angebot zu entscheiden.

Manuela & Carsten: Kannst du uns etwas zur Geschichte des Misool Eco Ressort erzählen?
Andrew Miners: Es begann in 2003. Ganz am Anfang kam ich auf einem Tauchboot nach Ratja Ampat. Nach anderthalb Jahren begann ich, nach einem Platz auf dem Festland zu suchen. Ich habe mich in diese Inseln verliebt, und ich nutzte die Pausen zwischen den Tauchgängen um den Gästen verschiedene Traumstrände zu zeigen. Mein geheimer Plan war, einen geeigneten Platz für das Öko-Ressort zu suchen, und so fand ich diese Insel.

M&C: Was hat dich angetrieben dieses Projekt zu starten?
AM: Unterschiedliche Umweltschutzorganisationen führten eine wissenschaftliche Untersuchung durch und stellten fest, dass dieses Gebiet hier die höchste marine Artenvielfalt weltweit aufweist. Mein ursprünglicher Plan war, ein Zentrum für Forschung und Umweltschutz aufzubauen, das ich aber nicht finanzieren konnte. So entstand also die Idee, ein Tauchressort zu eröffnen. Es war also mehr das Tauchressort, das aus der Idee, Umweltschutz betreiben zu wollen, entstand, als umgekehrt.

M&C: Was genau wird im Tauchressort getan, um umweltfreundlich zu arbeiten?
AM: Wir wollten alles so umweltfreundlich wie nur möglich bauen. Wir wollten wirklich sehen ob wir es auf die "richtige" Art und Weise bauen können. Wir wollten also nicht nur einen Hotelkomplex bauen und so viel Geld wie möglich verdienen, sondern es war uns sehr wichtig, durch Tourismus einen Weg zu finden, wertvolle Ökosysteme zu schützen.

M&C: Was bedeutet das in der Praxis?
AM: Beispielsweise haben wir das gesamte Bauholz aus angebrandeten Baumstämmen gesägt, d.h. wir mussten nicht einen einzigen Baum fällen, um das Tauchressort zu bauen. Bevor wir mit den eigentlichen Bauarbeiten begannen, haben wir uns eine Säge besorgt, die von nur zwei Handwerkern bedient wird und innerhalb von 20 Minuten dort aufgebaut werden kann, wo das Holz gefunden wurde. Zusammen mit Einwohnern der Inseln begannen wir nun, nach Treibholz zu suchen, um es dann in Form zu sägen. Das meiste Geld für das Holz ging an die örtlichen Familien hier, an die Leute an der Säge und an die Helfer beim Transport des Holzes. Bis heute haben wir ungefähr 600 Tonnen an Holz geschnitten!

Vom ersten Augenblick an wollten wir das Ressort so Energie effizient wie möglich gestalten. Zum Beispiel sind alle unsere Dächer mit einem einheimischen Gras bedeckt, das "langalang" genannt wird und sehr gut isoliert. Es muss also kein künstlicher Isolierstoff importiert werden. Darüber hinaus haben die Dächer einen weiten Überhang, damit die Sonne nicht direkt auf die Wände und Fenster scheint. Die Dächer sind sehr hoch aufgeschichtet, damit die Räume nicht aufheizen. Wir haben bei der Planung also darauf geachtet, dass alles kühl bleibt und wir dafür sehr wenig Energie aufwenden müssen.

Eine weitere Herausforderung war die Reinigung der Toilettenabwässer, dem so genannten Grauwasser. Alle Bungalows sind auf dem Wasser gebaut, und selbstverständlich konnten wir die Abwässer nicht einfach ins Meer ableiten. Wir haben uns erkundigt und fanden ökologische Abwassersysteme, die das Wasser reinigen, indem es durch einen mit kleinen Steinen gefüllten Tank geleitet wird. Überhalb des Tanks wachsen mehrere Pflanzenarten und natürlich vorkommende Bakterien an den Wurzeln der Pflanzen bauen die Verunreinigungen ab. Nach einer bestimmten Zeit im Tank ist das Wasser gereinigt und kann in den Boden abgeleitet werden.

M&C: Wann hast du das erste mal gedacht, du musst etwas tun, um die Umwelt zu schützen?
AM: Marit, meine Frau, und ich haben schon eine ganze Weile eine Abmachung. Wir waren beide immer schon besorgt, was mit unserer Umwelt passiert. Wir hatten es satt, immer nur über die Probleme zu reden, aber nie etwas dagegen zu tun. Wir beschlossen also, nicht mehr über die Umweltzerstörung zu sprechen, bis wir eine Möglichkeit gefunden hatten, unseren Teil zur Lösung beizutragen. Sich einfach immer nur zu beklagen, ist Zeitverschwendung!

M&C: Wäre es nicht einfacher, ein "normales" Ressort zu betreiben?
AM: Es ist auf jeden Fall viel günstiger und einfacher, ein normales Ressort zu bauen! Ich sage immer, was man ins Leben investiert, kommt auch wieder zu dir zurück. Natürlich kann man ein normales Ressort bauen und sich nicht um die Umwelt scheren. Wir hätten das Holz auch einfach kaufen können, das wäre günstiger gekommen, aber es ist nun mal auch tropisches Hartholz aus den Urwäldern Papas, die zu den letzten einigermassen intakten Regenwäldern gehören und schnell verschwinden. Es wäre also sehr heuchlerisch von uns gewesen, einen Ort nur einige Kilometer entfernt zu zerstören, um diesen wunderschönen Ort hier zu bauen. Wie hätten wir dann ernsthaft den Leuten, die herkommen, um Bäume zu fällen, sagen können, dass sie das nicht dürfen!?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die ökonomische Seite. Seit den letzten 10 Jahren findet ein Wandel in unserer Gesellschaft statt. Immer mehr Menschen denken kritisch über unsere Umweltprobleme nach und wenn sie ihren Urlaub planen, wissen sie, dass es Hotels und Ressorts gibt, die bereits ökologisch arbeiten.  Es ist also nicht nur altruistisch von uns, wir verdienen hier auch Geld. Wir sehen immer mehr Unternehmen und existierende Ressorts, die nun ihre Standards ändern und versuchen, umweltfreundlicher zu werden. Und ich denke, das hat auch viel mit der steigenden Nachfrage zu tun. Das ist eine sehr gute Entwicklung!

M&C: Was sind die grössten Bedrohungen für die Riffe in Indonesien?
AM: Es gibt so viele Bedrohungen. Eine der grössten, die nun abnimmt, aber einen Riesenschaden in ganz Südost-Asien angerichtet hat, ist das Dynamit-Fischen. Die Fischer werfen eine mit Dünger gefüllte Bierflasche ins Wasser, die oben eine Lunte hat, die sie vorher anzünden. Die Flasche sinkt nach unten, explodiert, und die Fische werden getötet oder betäubt. Manche treiben dann an die Oberfläche, werden von den Fischern eingesammelt und am Markt verkauft. Sozusagen als negativer Nebeneffekt werden die Korallen zerstört. Die Fischer bekommen zwar die Fische, aber in dem ganzen Gebiet sind dann die Korallen zerstört, und die Fische werden dort nicht mehr zurückkommen. Korallenriffe regenerieren sehr langsam, besonders nach dem Fischen mit Dynamit.

Weitere Bedrohung ist das Fischen mit Zyanid, das für den Aquarium-Handel in Europa und den USA betrieben wird. Taucher haben eine kleine Flasche mit einer Zyanidmischung, die sie in Richtung der Fische spritzen und sie so betäuben, um sie dann zu fangen und in eine Tüte zu packen. Manche Fische überleben das, andere nicht. Bei dieser Methode sterben sehr viele der Fische und darüber hinaus auch die Korallen.

Abgesehen davon gibt es noch das Abschneiden von Haifischflossen. Besonders in Hong Kong und Singapur floriert der Handel mit Haifischflossen, um sie zu Suppe zu verarbeiten. Haie sind die Spitze der Nahrungskette in den Ozeanen, und sie sind somit extrem wichtig für deren Stabilität und Gleichgewicht. Es werden ca. einhundert Millionen (!) Haie jährlich getötet, nur für ihre Flossen. In den letzten 20 Jahren sind fast alle grossen Hai-Bestände auf 10% ihrer originalen Bestände geschrumpft und das Resultat ist ein instabiles Ökosystem. Eine ihrer Rollen im Ökosystem ist es, andere Fischbestände sauber zu halten. Wenn nun eine Krankheit einen Bestand befällt, reinigt der Hai den Bestand von dieser Krankheit. Zum Beispiel in einem Thunfischbestand schwimmen die verletzten oder kranken Fische am langsamsten und werden als erste von den Haien gefressen. Viele Meeresbiologen sind ernsthaft besorgt, weil wir die Hai-Bestände dermassen dramatisch dezimiert haben, dass der Hai diese Rolle nicht mehr erfüllen kann. Wenn man bedenkt, dass in Indonesien fast alle Menschen ihre Proteine durch Fisch, besonders dem Bonmot Thunfisch, bekommen und solche Fischarten nun erheblich dezimiert werden, gibt das ein großes Problem für das Land.

Dazu kommt noch das Problem der Überfischung, das es ja auf der ganzen Welt gibt. In Indonesien ist besonders das Meer um Java mit seinen sehr bevölkerungsreichen Zentren Jakarta und Surabaya absolut überfischt. Nun kommen die Fischfang-Flotten von dort hierher nach Ost-Indonesien- um die Meere hier auszubeuten.

Weiterer Druck kommt vom Handel mit lebenden Fischen, besonders für Hong Kong. Es wird dort von den Gästen gewünscht, lebende Fische wie Zackenbarsche oder Napoleon-Lippfische in den Restaurants zu haben, so dass die Leute die Fische auswählen können, um sie dann zu essen. Es kommen also grosse Schiffe aus Hong Kong mit ihren eigenen Fischern oder sie heuern lokale Fischer an. Die Fischer fahren hinaus und fangen die gleiche Art Fisch bis "hinunter" zu den kleinsten, noch nicht ausgewachsenen Fischen. In einem Meerwassertank an Bord werden die Tiere dann lebend nach Hong Kong gebracht. An vielen Riffen sind diese Arten bereits fast ausgerottet. Nochmal, diese Fische stehen an der Spitze der Nahrungskette und sie fressen beispielsweise den Dornenkronenseestern, der wiederum Korallen frisst. An manchen Plätzen der Erde kommt es dadurch immer wieder zu einer heftigen Vermehrung dieser Seesterne, die ganze Riffe komplett zerstören.

Eines der wichtigsten Projekte hier war deshalb die Errichtung einer so genannten "no-take-zone". Sie schützt die gesamte Fläche um die Insel, auf der das Ressort steht, viele weitere Inseln und die Riffe dazwischen. Wir haben eine Abmachung mit der lokalen Bevölkerung, die die Fischereirechte für dieses Gebiet hält: Wir dürfen hier nicht fischen, sie dürfen hier nicht fischen. Es darf einfach nichts entnommen oder zerstört werden! Sie haben andere Fischereigründe, wo sie fischen gehen, aber diese Fläche ist nun geschützt und die Fischbestände können sich ungestört vermehren, das Ökosystem bleibt stabil und nach einer Weile schwimmen die Jungfische aus der Zone hinaus und können wieder gefangen werden.

M&C: Kannst du uns mehr über diese geschützte Fläche erzählen?
AM: Während der Treffen mit den Familienoberhäuptern, um das Land für das Ressort zu mieten, wollte ich von Anfang an auch einen Vertrag über eine no-take-zone abschließen. Nachdem wir uns öfter getroffen hatten, konnten wir uns auf 425 qm2 geschützte Fläche einigen. Von nun an gab es kein Fischen mehr, kein Abschneiden von Haifischflossen, kein Sammeln von Schildkröteneiern und kein Jagen von Schildkröten. Ich lebe nun schon seit 10 Jahren in Indonesien, und die meiste Zeit verbrachte ich davon unter Wasser oder segelte umher und habe dadurch viele Plätze gesehen, die durch steigende Ausbeutung sehr schnell ihren Artenreichtum verloren haben. Man kann regelrecht zuschauen, wie ganze Hai- oder Zackenbarsch-Bestände verschwinden.
Hier in Papua besitzen verschiedene Dörfer unterschiedliche Fischereigründe. Sie haben eine Tradition, die sie "sasi" nennen. D.h. die Fischgründe werden für eine bestimmte Zeit zur Nutzung freigegeben, um danach wieder geschlossen zu werden. Sollte jemand das Verbot missachten, wird er von der Gemeinschaft hart bestraft. Das ist eine sehr strenge Tradition, die über die letzten Jahre etwas weniger beachtet wurde, da viele fremde Menschen aus anderen Teilen des Landes hierher kamen, aber nichts von diesen Gesetzen wussten. Besonders die Älteren waren sehr glücklich über unseren Vorschlag, da die "no-take-zone" eine neue Idee war, eine alte Tradition wieder zu stärken und zu unterstützen. Die Alten wussten noch ganz genau, dass es notwendig ist, nachhaltig mit allen Ressourcen umzugehen. Die Inselbevölkerung taucht traditionell ohne Ausrüstung nach verschiedenen Arten von Krustentieren und Seegurken. Sie sind also sehr eng verbunden mit dem Riff und haben die Effekte von Dynamit-Fischen über die letzten Generationen genau beobachten können, so herrscht ein breites Wissen darüber wie das Ökosystem funktioniert. Das kann man von uns in Europa oder USA nicht behaupten, wenn wir unsere Fischereipolitik zuhause betrachten (lacht).

Wir haben uns bereiterklärt, die "no-take-zone" zu patrouillieren, um sie vor illegalen Fischern zu schützen. Wir haben Spendengelder beschafft, um ein kleines Boot zu kaufen und um die Leute von hier auszubilden. Normal fahren sie jeden Tag hinaus wenn wir viele fremde Boote sehen. Wenn es jemand von der lokalen Gemeinde ist, dann erklären wir ihm, weshalb wir das hier tun und dass es gut für die Gemeinschaft und kommende Generationen ist. Nach und nach kamen immer weniger Menschen aus der Umgebung zum Fischen. Wenn es fremde Leute sind, dann versuchen wir erst zu erklären, dass dies hier ein geschütztes Gebiet ist. Das genügt meistens, um sie zum Gehen zu bewegen. Wenn sie zurückkommen werden wir etwas bestimmter und rufen die Küstenwache, die sie dann aus dem Schutzgebiet begleitet.

M&C: Woher kommt das Geld für den Unterhalt der geschützten Fläche?
AM: Die Miete für das Gebiet sowie die laufenden Kosten, die anfallen, das Schnellboot und die Gehälter der Ranger hat Mitsoll Eco Ressort bezahlt. Das war am Anfang. Seitdem wir nun versuchen, das Ganze hier als gemeinnützigen Verein zu betreiben, sammeln wir auch Spendengelder. Wir erhalten Spenden von Gästen und Unterstützung von Wild Aid Canada und der Cola Reef Alliance.

M&C: Warum ist es so wichtig, die lokale Bevölkerung mit einzubeziehen?
AM: Es ist absolut essenziell, weil es einfach ihr Land ist und sie somit die Gastgeber sind und wir wirklich nur hier sind, weil sie uns eingeladen haben. Es ist problematisch, als Aussenstehender zu kommen und zu sagen: "Ihr solltet dies und jenes schützen und tut dies nicht und das nicht…", aber es ist viel wirkungsvoller, wenn ein Mitglied der Gemeinde sagt:" Ok, wir sollten das nicht tun, denn wenn wir so weitermachen, wird kein Fisch mehr übrig sein für unsere Kinder und Enkelkinder." Vom ersten Tag an haben wir versucht, wo immer möglich, die lokale Bevölkerung mit einzubeziehen. Der Großteil unserer Angestellten, es sind nun über 60, kommen aus der Gegend.

Wir wollten, dass Leute aus den Gemeinden in der Gegend hier arbeiten, damit es ihnen zu Gute kommt. Das ist auch ein sehr kraftvolles Instrument, um unsere Botschaft zu verbreiten. Die Leute arbeiten hier und sehen, dass wir das ganze Ressort aus Treibholz bauen und keine Bäume fällen. Sie sehen, dass wir keinen Abfall ins Meer werfen und unseren Müll recyceln und unseren organischen Abfall kompostieren. Ohne ihnen überhaupt etwas sagen zu müssen, sehen sie es selbst, was passiert und erzählen ihren Familien und Freunden davon. So ist die Botschaft wirksamer. Das ist meiner Meinung nach der beste Weg!

M&C: Kannst du uns hierfür ein Beispiel geben?
AM: Neulich war das traditionelle Oberhaupt dieser Region bei uns im Ressort, der Mann, dem alles hier gehört. Er vermietet an uns und auch an die Perlenfarm, die 2000 Leute beschäftigt und hier schon viel länger ist als wir, bereits ca. 15 Jahre. Wir haben uns unterhalten und er hat sich über die Perlenfarm beschwert und gesagt: "Weisst du Andrew, ohne unsere Erlaubnis sägen sie einfach die Bäume ab und nehmen Bambus aus dem Wald, ohne uns dafür etwas zu bezahlen. Sie nehmen Sand, ohne zu bezahlen und werfen ihren Müll einfach ins Meer oder fischen, wann sie wollen. Dann komme ich hierher und sehe was im Misool Eco Ressort passiert. Ihr geht nicht fischen, ihr fällt keine Bäume und wenn ihr Bambus braucht, dann fragt ihr uns erst um Erlaubnis und zahlt dafür. Dabei schützt ihr auch noch die Umgebung." Und nun ist er ziemlich unglücklich über den Mietvertrag mit der Perlenfarm und will alle Stammesoberhäupter versammeln, um darüber zu diskutieren um ihnen dann zu sagen, sie sollen mehr so sein wie wir." Das ist wirklich witzig (lacht). Die Ältesten haben ihnen schon gesagt, sie dürfen keinen Müll mehr ins Meer werfen. Es ist so schön zu sehen, dass unser Handeln eine Vorbildfunktion hat.

Es muss nicht immer gleich die Regierung oder ein grosses Unternehmen sein, die Entscheidungen treffen. Es gibt einen Schmetterling-Effekt, d.h. kleine Dinge können grosse Wirkung haben. Ich glaube auch an so etwas wie eine kritische Masse, wenn es um grosse Veränderungen geht. Viele Individuen handeln in eine Richtung und es passiert nicht viel, bis dann eine kritische Masse an Menschen erreicht ist, und auf einmal redet jeder darüber und es steht in allen Zeitungen und Magazinen. Dann muss die Regierung darauf reagieren und Änderungen vornehmen. Dann macht die Regierung ein neues Gesetz und ein größerer Wandel findet statt. Wenn ich an die Sache mit FCKW vor ca. 10 Jahren denke, auch da hatten Wissenschaftler seit über 20 Jahren vor den Auswirkungen auf die Ozonschicht gewarnt und auf einmal kam der Punkt, an dem es in aller Munde war. Dann haben die Konsumenten beschlossen, keine Produkte mehr mit FCKW zu kaufen, und die Hersteller mussten schnell reagieren. Einzelne Personen oder kleine Firmen können einen grossen Unterschied machen!

Wenn sich jeder dafür entscheidet, dorthin in den Urlaub zu fahren, wo die Umwelt geschützt wird, dann müssen sich die Ressorts entweder umstellen oder pleite gehen. Es kommt also auf die einzelne Person an, die ihren Urlaub bucht, und es gibt heutzutage nachhaltigen Tourismus in allen Kategorien, es ist heute keine Frage mehr von billig oder teuer.

M&C: Was war Deine schönste Erfahrung hier?
AM: Abgesehen davon, einen Heiratsantrag von Marit am Strand zu bekommen? Das war mein schönstes Erlebnis. (lacht)

Ansonsten gibt es noch etwas, das mich sehr glücklich macht: Als ich das erste Mal hier an dieser Bucht ankam, waren hier die Überreste eines Stark Finning Camps, und tote Haie mit abgeschnittenen Flossen lagen am Strand. Als wir anfingen zu bauen, haben wir hier nie Haie gesehen. Nach dem ersten Jahr hatten wir schon die erste Gruppe Baby-Haie und haben manchmal welche beim Tauchen gesehen und nun haben wir ca. siebzehn junge Riff-Haie in der Bucht und sehen Haie bei jedem Tauchgang. Diese Dinge machen mich glücklich!

Auch wenn ich manche von unseren Angestellten höre, die schon lange bei uns sind. Sie reden mit anderen Leuten ihrer Gemeinde und erklären ihnen, warum Umweltschutz so wichtig ist, ohne dass ich damit etwas zu tun habe. Sie erzählen es nicht, weil das ihr Job ist, sondern weil sie es verstehen und davon überzeugt sind. Mittlerweile sind die meisten von ihnen sehr leidenschaftliche Tier- und Naturschützer, und das ist schon überraschend. Das ist sehr gut, sehr positiv.

M&C: Hast du Hoffnung?
AM: Das ist eine große Frage. Im Moment versuchen wir, die "no-take-zone" um eine Gruppe von Inseln zu erweitern. Das würde das geschützte Gebiet mehr als verdreifachen. Diese Gruppe von Inseln gehört einer anderen Gemeinde, die etwas weiter entfernt von hier lebt und deshalb dieses Gebiet nicht wirklich als Fischgründe nutzen kann. Fremde Fischer können in den Gewässern buchstäblich tun, was sie wollen, inklusive das Jagen von Schildkröten, das Abschneiden von Haifischflossen oder Dynamit-Fischen. Wir sprechen seit ungefähr einem Jahr mit den Dorfältesten und wir sind guter Dinge, dass wir den Plan nun innerhalb von sechs Monaten verwirklichen können.

Meine größte Hoffnung im Moment ist also, dass wir das geschützte Gebiet hier in diesem Zustand erhalten können und es darüber hinaus noch ursprünglicher machen können, indem wir helfen, dass Haie und andere größere Fische wieder in dieses Gewässer zurückkehren dürfen. Ich wünsche mir auch, dass die lokale Bevölkerung weiter Interesse daran hat, diese Riffe zu schützen und zu hüten und wir Ausländer immer mehr in den Hintergrund rücken können.

M&C: Wie können dich unsere Leser unterstützen?
AM: Wir haben einige Projekte, die Unterstützung benötigen. Es kann also jeder etwas beitragen, um das zu unterstützen, was wir hier tun, um diese einzigartige Welt hier zu schützen. Beispielsweise können sie die Patrouillen und deren Boot durch Spenden unterstützen. Dann können sie die Bücherei der ortsansässigen Schule fördern, Schulmaterial für die Schüler oder Gehälter für deren Lehrer mit finanzieren.

Die Menschen können das Misool Eco Ressort aber auch als ihr Urlaubsziel wählen und uns hier besuchen. Sie können sich dann vergewissern, dass ein Teil ihres Geldes zum Schutz von Raja Ampat ausgegeben wird.

M&C: Gibt es noch irgendetwas, was du unseren Lesern mitgeben möchtest?
AM: Ja. Ich habe eine wichtige Erfahrung in meinem Leben gemacht. Ich war lange Jahre verzweifelt, dass die Welt nicht mehr zu retten ist und dass es keine Hilfe mehr für die Umwelt gibt. Aber das ist nicht die Wahrheit! Ja, es ist ein unwahrscheinlich weites Feld an Herausforderungen, aber nur ein Mensch kann einen großen Unterschied machen. Es ist nur eine Frage, wieviel Menschen sich für einen Schritt in die "richtige Richtung" entscheiden.
Das richtige kann beispielsweise sein, Abfall zu recyceln oder einfach nur eine Ferienanlage auszuwählen, die ökologisch verantwortlich arbeitet. Oder einfach nur 50 Euro an ein Umweltschutzprojekt spenden. Aber jeder kann etwas tun! Und umso mehr Menschen etwas tun, umso schneller kommen wir der Lösung näher. Wieviel intakte Natur wir an unsere Kinder und Enkelkinder weitergeben können, hängt unmittelbar von der Zeit ab, die wir dazu benötigen, Lösungen für unsere Probleme zu finden. Umso länger wir brauchen, umso mehr wird unwiederbringlich verschwinden.

Wir trafen Andrew im Februar 2010 im Misool Eco Resort in Raja Ampat, Indonesien.

Kommentare

Kommentar von Pascal | 2011-Apr-29

Herrvoragend geschrieben sehr schön dargestellt einfach toll!!!

Kommentar von Eku Wand | 2012-Jan-6

Ich traf Andrew ebenfalls im September 2010 im Misool Eco Resort. Es ist wirklich eine große und einzigartige Herausforderung die Marit und Andrew Miners dort gestartet haben!

Aktuell haben wir in Nord-Indonesien eine etwas andere Situation und wollen verhindern, dass ein chinesisches Unternehmen mit Unterstützung korrupter Politiker und unter Umgehung indonesischer Gesetze mitten in das Korallendreieck (http://de.wikipedia.org/wiki/Korallendreieck) bei Manado (Bunaken Marine Park) mit extrem hoher Biodiversität eine Eisenerzförderstätte baut. Wer sich unserer „Save Bangka Island — Stop Mining Initiative“ anschließen möchte, ist bei unserer Facebook-Gruppe herzlich willkommen:
http://www.facebook.com/groups/safebangkaisland

Wir können wirklich jede Form der Unterstützung gebrauchen, um das Schlimmste zu verhindern! Danke!
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