Du bist verantwortlich!

Interview mit Susanne Fischer-Rizzi, Heilpflanzenweise und Vermittlerin zwischen Natur und Mensch

 

Susanne Fischer Rizzi

Täglich lesen wir von Kriegen und Umweltkatastrophen. Aber langsam erkennen wir einen Zusammenhang der Struktur unserer Gesellschaft und dem Leiden in der Welt. Immer mehr Menschen fragen sich, welchen Beitrag sie zum Frieden und zum Umweltschutz leisten können. Tiere und Pflanzen können uns Begleiter, Verbündete und Lehrmeister auf dem Weg der Veränderung sein.

Susanne Fischer-Rizzi beschäftigt sich seit ihrem 12. Lebensjahr mit Heilpflanzen, studierte ayurvedische und tibetische Kräuterheilkunde. Ihr Wissen schöpft sie aus den Erfahrungen nordamerikanischer Indianer, aus dem Taoismus und aus alten europäischen Kulturen. Sie sieht sich als Lehrling der Natur. Mit ihrer Arbeit trägt sie dazu bei, das durchtrennte Band zwischen Mensch, Tier und Pflanze wieder neu zu knüpfen, um so die Heilung von uns und der Natur gleichermaßen zu fördern.

Ein Gespräch über die Achtsamkeit gegenüber der Natur und die Weisheit uralter Kulturen.

Manuela & Carsten: Was sind deine Aufgabe und Berufung?
Susanne Fischer-Rizzi:
Meine Aufgabe ist es, das von meinen Lehrern und Lehrerinnen mitbekommene Wissen und mein eigenes weiterzugeben. Ich möchte Menschen dazu inspirieren, sich wieder mehr mit der Natur zu verbinden und mehr Verantwortung zu übernehmen.

M&C: Wie bist du zu dieser Berufung gekommen?
SFR:
Das fing an als ich 12 Jahre alt war, da hat mich mein Großvater, der sich sehr gut mit Heilpflanzen auskannte, als Lehrling aufgenommen. Er hat mir mein erstes Heilkräuterbuch geschenkt und zusammen mit ihm durfte ich meine ersten Heilpflanzen sammeln und sie zubereiten.
Mein Vater war ein großer Freund der Wälder, meine Mutter liebte die Tiere. So habe ich schon als Kleinkind die Liebe zur Natur mitbekommen. Später, als ich dann flügge war, habe ich mir neue Lehrer und Lehrerinnen gesucht. Das waren erst einmal Indianer, die als Medizinmänner gearbeitet haben.


M&C: Wir hören jeden Tag von Umweltkatastrophen und Kriegen. Was glaubst du, ist die Ursache für den Zustand unserer Erde und unserer Gesellschaft?
SFR:
Zu diesem Zustand haben unterschiedliche Dinge beigetragen. Wir sehen, dass native Völker heute noch eine ganz andere Verbindung zur Mutter Natur haben und deshalb die alten Gesetze noch befolgen, wie das Gesetz vom Geben und Nehmen oder das Gesetz der Dankbarkeit und Achtsamkeit. Ich denke, dass unsere Vorfahren hier in Europa die gleichen Gesetze hatten und diese auch befolgt haben. Dann haben wir sie irgendwann einmal vergessen und für den Menschen sind andere Dinge in den Mittelpunkt gerückt. Das ist ein Grund, weshalb wir aufgehört haben, uns um die Erde zu kümmern. Wir haben mehr genommen als gegeben. Wir haben vergessen, dass die Erde uns einen Wert bietet, der weit jenseits von dem Wert der Rohstoffe liegt. Die Christianisierung unterstützt das Phänomen, dass sich diese tiefe Verbundenheit mit der Natur stark gewandelt hat. Speziell im Christentum wird das Paradies woanders als hier auf der Erde gesehen, wodurch die Erde entheiligt wurde. Die Erde verkümmerte zu einem Rohstofflager, aus dem man sich bedienen kann. Ein weiterer großer Einschnitt war die Industrialisierung. Hier haben sich die Menschen mehr und mehr in Fabriken „veräußert“ und dadurch ihre tiefe Naturverbundenheit noch mehr verloren.

Das sind alles Gründe, die zu einem Riss in der Psyche von uns Europäern geführt haben. Das ist eine uralte Wunde, die immer geschwelt hat, der Leidensdruck war aber nie groß genug. Im Moment zeigt uns die Erde, dass wir diese tiefe Wunde dringend heilen müssen. Wir müssen wieder mehr Verantwortung für die Erde übernehmen und ihre Heiligkeit anerkennen. Wir haben die Betroffenheit darüber verloren, was mit der Seele der Erde und unserer eigenen passiert.  

M&C: Was meinst du mit Betroffenheit?
SFR:
Es gibt eine besondere Art, sich mit der Natur zu verbinden: Naturverbundenheit kannst du schon erleben, wenn du vor deine Haustür gehst und achtsam bist. Das führt zu einer Erweiterung der Sinne. Du brauchst nur zu schauen, welche Vögel es um dich herum gibt oder welche Pflanzen um dein Haus herum wachsen. So kannst du dir Verbündete im Pflanzen- und Tierreich schaffen und jeder Verbündete ist wie ein Faden, der dich mit der Natur verbindet. Um so mehr Verbündete du hast, um so mehr spürst du dieses Gefühl der Verbundenheit und umso mehr entsteht auch ein Gefühl der Betroffenheit dafür, was mit der Natur passiert. Unsere keltischen Vorfahren haben das mit dem Netz des Lebens bezeichnet. Wenn du tief mit der Natur verbunden bist, dann möchtest du dich auch für sie einsetzen und dein Leben und die Dinge um dich herum verändern. Das ist im Moment am allerwichtigsten.
Früher haben die Menschen die Natur in Ritualen gefeiert. Unser angemessenes Ritual wäre sich heute für die Natur einzusetzen.

M&C: Aber anstatt uns für die Natur einzusetzen konsumieren wir immer mehr. Woran liegt das?
SFR:
Wenn man eine tiefe Verbundenheit mit der Natur hat, entwickelt sich daraus ein Gefühl der Zufriedenheit. Wenn dieses Gefühl nicht mehr da ist, kann man sich sehr leicht leer fühlen. Viele Menschen fühlen diese Leere und möchten sie mit dem Angebot an Konsum füllen. So wie Erich Fromm sagt: „Es gibt einen Unterschied zwischen Sein und Haben!“ Wir haben das Erleben des Seins aufgegeben und dafür einen Schwerpunkt auf das Haben gesetzt. Diese innere Leere ist aber niemals mit Materialismus aufzufüllen. Materieller Besitz und Leistung stehen bei uns im Mittelpunkt und innere Leere wurde von uns nie richtig gefühlt und geheilt.

M&C: Weibliche Werte wurden verdrängt und patriarchalische haben matriarchalische Gesellschaften ersetzt. Hat das etwas mit unserer heutigen Krise zu tun?
SFR:
Das ist ein Schlüssel für unsere heutige Situation. Das alte Europa war 40.000 Jahre von einer Kultur geprägt, wobei weibliche Werte respektiert, geschützt und verehrt wurden und unsere patriarchalische Weltanschauung ist im Verhältnis dazu viel jünger. Die bekannte Archäologin Maria Gimbutas fand heraus, dass die ersten europäischen Dorfgemeinschaften wie beispielsweise Catal Huyuk in der heutigen Türkei, die bis zu 8.000 Jahre alt sind, matriarchalische Gesellschaftsstrukturen, aber keine Spuren von Krieg aufweisen. Auch in der jüngeren minoischen Hochkultur wurde das Weibliche noch verehrt und keine einzige Darstellung einer Verherrlichung von Gewalt und Krieg gefunden. In griechischen, ägyptischen oder römischen Abbildungen standen später dann oft Gewalt und Krieg im Mittelpunkt.

M&C: Was hat das mit unserer Gleichgültigkeit der Erde gegenüber zu tun?
SFR:
Daran können wir erkennen, dass in Kulturen, in denen das weibliche Prinzip mehr verehrt wurde, auch das Leben mehr geehrt wurde als der Tod. Der Kelch des Lebens wurde mehr verehrt als das Schwert. Das hat sich langsam durch das Eindringen der so genannten Kurgan-Völker aus dem Osten verändert, also durch den Aufbau von patriarchisch organisierten Gesellschaften, die auf Krieg ausgerichtet waren und Waffen verehrten. Die weiblichen Werte haben sich durch den Einfluss patriarchalischer Völker verändert und männliche Werte sind wichtiger geworden.
Hier scheint es also einen Zusammenhang zu geben: Umso weniger das weibliche Prinzip geehrt wird, desto weniger kümmert man sich um die Natur. Umso mehr Frauen ausgebeutet werden, umso mehr wird auch die Natur ausgebeutet.
Ich finde es sehr prägnant, dass in unserer heutigen Zeit Benzin teurer ist als Milch. Milch war immer schon eine heilige Kostbarkeit, die das nährende Element des weiblichen Prinzips darstellt. Ein ganz wichtiges weibliches Element ist das Nähren und das Geben. Auch das Gesetz „gib mehr als du nimmst“ wie auch das Prinzip der bedingungslosen Hingabe und Liebe, das Mütter mit ihren Kindern so wunderbar praktizieren, sind ur-weibliche Attribute. All diese weiblichen Werte sind verloren gegangen und haben maskulineren Werten Platz machen müssen, wie zum Beispiel „nimm mehr als du gibst“. Wir haben alles ausgeraubt, haben nie richtige Dankbarkeit gespürt oder überlegt, was wir der Erde zurückgeben könnten. Ich denke, dass in dieser Zeit des Wandels der neue Wandel nicht wirklich beständig und tiefgreifend ist, wenn wir die weiblichen Prinzipien nicht wieder voll mit einbeziehen.

M&C: Wie könnte eine neue Balance zwischen Weiblichem und Männlichem wieder hergestellt werden?
SFR:
Diese Balance beginnt im Leben jedes einzelnen Menschen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder gedacht, es reiche, wenn wir im Äußeren etwas verändern, und vergessen, dass der Wandel bei dir zu Hause und vor deiner Haustür passiert. Jeder Mensch, ob Frau oder Mann, sollte diese Balance in sich selbst leben, um sie dann nach außen tragen zu können. Zum Beispiel in Aktivitäten beim Umweltschutz, in der Permakultur oder im Zusammenwohnen mit anderen Menschen. Das ist der nächste Schritt, diese Balance im Inneren, in sich selbst zu vollziehen und sich auch mal zu fragen, ob in meiner Partnerschaft männliches und weibliches Prinzip im Gleichklang leben. Haben wir in unserer Beziehung eine Balance geschaffen, mit der wir nach außen treten können? Es beginnt in jeder Beziehung und das Schöne daran ist, dass man sich jeden Tag neu dafür entscheiden kann. Das Schöne an dieser Zeit ist, alles ist vernetzt: wenn du etwas in deinem Leben veränderst, hat es riesengroße Auswirkungen. Der Wandel geht viel schneller als vor 10 oder 20 Jahren.

M&C: In deinen Büchern sprichst du oft von der Weisheit alter Völker und wie wichtig sie für uns Menschen ist. Welche Rolle spielt dieses alte Wissen in unserer neuen Zeit?
SFR:
Die indigenen, nativen Völker, die noch wie unsere Vorfahren leben, haben für uns ein uraltes Wissen aufbewahrt. Es ist schrecklich zu sehen, dass dieses uralte Wissen mehr und mehr zerstört wird. Wir bekommen gerade noch den letzten Rest davon mit. Dieses Wissen ist kostbar und deshalb ist es wichtig, sich für diese indigenen Völker am Amazonas, die Buschmänner in Afrika oder die Aborigines in Australien einzusetzen. Diese uralten Weisheiten sind hochmoderne Hilfsmittel und wichtige Werkzeuge für unsere Zeit. Eines dieser Hilfsmittel ist die Dankbarkeit, die native Völker für das Leben, für die Natur, für die Tiere und die Nahrung haben. Dankbarkeit ist für sie ein Schlüssel für das eigene Leben, für die Verbundenheit zur Welt und zur Natur. Das ist bei uns verloren gegangen.
Ein weiteres Geschenk dieser Völker an uns ist das Wissen um das Eingebunden-Sein in einen heiligen Kreislauf. Die Menschen lebten in der so genannten zyklischen oder balsamischen Zeit. Sie haben gesehen, wie das Jahr in einem Jahreskreis schwingt. Sie haben den Kosmos beobachtet und gesehen, wie die Sterne und die Tierkreiszeichen sich bewegen. Ihr Leben war verbunden mit der Pflanzen- und Tierwelt. Das hat ihnen sehr viel Würde verliehen. Sie haben versucht, alles in Einklang mit dieser kosmischen Uhr zu bringen und haben wichtige Wendepunkte in ihrem Leben durch bestimmte Rituale bewusst gemacht. Diese Kultur ist auch ganz verloren gegangen und hat in unserer heutigen Kultur ein gewisses Gefühl der Leere erzeugt. Beispielsweise, wenn Mädchen zum ersten Mal menstruieren oder Buben vom Kindes- ins Jugendalter kommen, werden sie nicht mehr begrüßt und mit einem Fest oder Ritual gewürdigt. Oder wenn Frauen oder Männer in die Wechseljahre kommen, gibt es kaum ein Ritual, mit dem das Alter willkommen geheißen wird. Das Alte ist unglaublich tabuisiert worden. Diesen heiligen Kreislauf des Lebens ganz bewusst durchzugehen und so das Leben nicht als grauen Alltag zu empfinden, sondern zu begreifen, dass jede Lebensstufe auch ihre eigenen Aufgaben und Geschenke hat, dieses Bewusstsein ist wichtig.
Wir haben all dies von den alten Völkern noch als letztes Geschenk mitbekommen und es in unserer Zeit dringend notwendig, um unser eigenes Leben wieder in Würde zu leben.

M&C: Welche Kräfte wirken bei den indigenen Völkern, die wir in unserer Gesellschaft nicht mehr kennen?
SFR:
Diese Menschen betreten Räume, die uns modernen Menschen verschlossen bleiben. Gerade bei meinen indianischen Freunden bekomme ich das hautnah mit, wenn ich sie frage, wer ihre Ahnen sind. Sie können dann ihre Ahnen auf sieben Generationen zurückverfolgen und benennen. Die Welt der Ahnen ist uns ganz verschlossen worden, sie ist aber eine Kraft von Menschen, die hinter uns stehen. Ich selbst als Heilkräuterfrau denke oft an die vielen Frauen, die hinter mir stehen und dieses Wissen für mich erarbeitet, bewahrt und manchmal sogar auch ihr Leben dafür gegeben haben. Ohne sie könnte ich heute nicht Heilkräuterfrau sein, denn ein Leben reicht dafür nicht aus. Diese Räume können uns durch Schamanen wieder eröffnet werden. Zu diesem Raum, der hinter uns steht, gehört auch ein Raum, der vor uns steht - er ist in unserer Zeit vielleicht noch wichtiger. Denn native Völker beziehen auch die nächsten sieben Generationen immer in ihr Handeln mit ein. Die Verantwortung für zukünftige Generationen aufzugeben, war einer unserer großen Fehler. Wer von den Öl- oder Lebensmittelbossen richtet seine Aufmerksamkeit auf die nächsten sieben Generationen aus? Die Konzerne agieren nur noch: "nach mir die Sintflut"
Dieses Gewahrsein den nächsten Generationen gegenüber wieder in unser Leben einzubeziehen, all den Kindern, die noch auf diese Erde kommen wollen, keine Wüste zu hinterlassen, das können wir von den nativen Völkern lernen. Es ist wichtig, dafür wieder ein Bewusstsein zu wecken und unser Handeln danach auszurichten!

M&C: Welche Botschaften können wir Menschen von Tieren und Pflanzen lernen?
SFR: Die Tiere und Pflanzen waren schon immer Botschafter für uns, von ihnen können wir unglaublich viel lernen. Ich komme gerade aus der Dordogne in Frankreich zurück und habe mir dort einige der Höhlenmalereien angesehen. Das was die Menschen vor 20 oder 30.000 Jahren dort an die Wände gemalt haben, waren Tiere. Man war sich früher noch sehr viel bewusster über die Kraft der Tiere und die Möglichkeit, von Tieren zu lernen. Ich als Kräuterfrau lerne täglich von den Pflanzen, z.B. den Zyklus der Zeit. Ich beobachte den Apfelbaum da oben über das Jahr und sehe wie er jetzt in voller Reife steht. Ich sehe seine Äpfel, ich sehe, wie er im Winter alles zurückzieht. Ich erkenne daran die Jahreszeit und auch mein eigenes Leben, wo ich selbst gerade stehe. Rhythmus bestimmt ganz stark unser Leben, das Leben auf diesem Planeten. Diesen Rhythmus kann man von Pflanzen lernen.
Von Bäumen kann man Geduld, Standhaftigkeit und Verwurzelung lernen, was wir alle dringend notwendig haben. Sie stehen ihr ganzes Leben an einem Platz, geben sich den Freuden des Wachstums hin und sammeln viel Weisheit an.
Ich brauche nur morgens den Vögeln zuzuhören, wie sie sich freuen, dass die Sonne wieder aufgegangen ist. Das inspiriert mich auch, für diesen neuen Tag zu danken und mich darüber zu freuen. Ich lerne von meiner Katze wie sie sich entspannen kann, ganz besonders wenn ich selbst viel Stress habe. Von meiner Hündin kann ich lernen, dass sie sich über jeden Besuch unglaublich freut. Die Tierwelt begleitet uns immer und überall, es müssen gar nicht immer nur wilde oder exotische Tiere sein. Wir müssen nur unsere Achtsamkeit wieder dafür entwickeln.

M&C: Was kann die Menschen dazu bringen, ihr Verhalten der Erde gegenüber zu verändern?
SFR: Im Leben von einzelnen Menschen passiert oft etwas, was sie aus der Bahn wirft. Viele Menschen, die zu mir in meine Seminare kommen, haben einen wichtigen Wendepunkt erlebt. Den Tod eines nahestehenden Menschen oder dass sie krank geworden sind, also, dass sich ihre Lebenssituation vollkommen verändert hat. Das hat sie auf einmal für ganz andere Werte und für die Natur geöffnet. Im Moment hält uns die Erde einen Spiegel vor, wobei wir kaum noch wegsehen können. Das war vor 20 bis 30 Jahren noch nicht so extrem. Jetzt sehen aber alle Menschen, dass die Ressourcen der Erde aufgebraucht sind, dass die Meere leer gefischt sind, dass es ein unglaubliches Artensterben gibt und dass nicht nur die Natur stirbt, sondern auch die Menschen ganz große Not leiden. Immer mehr Menschen erkennen aber die Zusammenhänge zwischen der Struktur unserer Gesellschaft und dem Leiden in der dritten Welt. Auch dass das Leiden der Natur, des einzelnen Menschen und der Gesellschaft zusammenhängt.
Der Philosoph Theodor Adorno sagte: „Die Gewalt, die wir der Natur zufügen, kommt irgendwann zurück und beeinflusst das menschliche Leben elementar.“ Jetzt ist dieser Moment gekommen. Unglaublich viele Menschen haben Angst und Depressionen, sehr viele Kinder sind krank und stehen unter Psychopharmaka. Es ist nun soweit, dass diese Situation so tiefen Eindruck bei vielen Menschen hinterlässt, dass sie sich verändern und sich für die Natur einsetzen möchten.

M&C: Was könnte denn deiner Meinung nach jeder Einzelne tun?
SFR: Zunächst ist es wichtig, dass man darauf vertraut, dass jeder Mensch etwas tun kann. Wir sind alle miteinander vernetzt. So hat unser persönliches Handeln eine sehr große Tragweite. Du kannst bei deiner Nahrung anfangen. Jeder Mensch muss essen und du kannst dich fragen: „Wo kommt eigentlich das Hähnchen her, das ich esse?“ Dann stellst du vielleicht fest, dass es sich nicht lohnt, Billigfleisch zu kaufen. Denn irgendjemand muss dafür leiden. Zum Beispiel die Hühner in den Tiermast-Betrieben, die in unwürdigsten Verhältnissen, auf kleinstem Raum aufwachsen und mit Antibiotikum vollgepumpt sind. Du kannst bei der Kleidung weitermachen und dich fragen: „Weshalb ist dieses T-Shirt so billig, wer hat dafür eigentlich bezahlt?“
Du kannst auch nur rausgehen in die Natur und schauen, wie die Situation der Pflanzen ist. Früher warst du nur für deinen Garten innerhalb deines Gartenzauns verantwortlich. Heute schauen wir wieder über unseren Gartenzaun und sind zuständig für die ganze Region. Du kannst sehen welche Pflanzen an bestimmten Plätzen ausgestorben sind und kannst so deine Region kennen lernen. Du wirst begreifen, dass du die Verantwortung nicht mehr irgendwelchen Politikern überlassen kannst, sondern dass du selbst die Verantwortung hast! Jetzt ist unsere Zeit, Du bist verantwortlich für diese Wiesen oder für diesen Wald. Schau welche Pflanzen fehlen und säe sie einfach ein. Vielleicht liebst du Vögel, dann frag dich, welche Vögel hier einmal gelebt haben. Du kannst auch ins nächste Heim gehen und den Kindern die Natur zeigen.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, dich einzusetzen und du solltest immer deinem Herzen folgen. Wo es dich am meisten hinzieht, wofür du am meisten brennst, dafür sollst du dich einsetzen. Die Zeit ist vorbei, die Verantwortung für unsere Zukunft jemand anderem in die Hand zu geben.

M&C: Was sind deine Visionen und Träume?
SFR: Ich bitte um viel Kraft und Segen für all die Menschen, die sich im Moment dafür einsetzen, dass diese Erde für die nächsten Generationen erhalten bleibt. Dafür, dass die alten Gesetze wieder befolgt werden und dass wir Menschen wieder danach leben, mehr zu geben als zu nehmen. Diesen Menschen wünsche ich viel Kraft und Freude dabei, dass sie nicht verzagen oder an ihre Grenzen stoßen. Sie sollen sich mühelos miteinander vernetzen, um dadurch noch mehr bewirken zu können.
Die Vision für mich ist, dass ich durch meine Arbeit erreichen kann, dass sich immer mehr Menschen für die Natur begeistern können. In den letzten Jahren habe ich begonnen, junge Menschen, die sich für die Natur einsetzen, auf ihrem Weg zu begleiten, um ihnen dadurch Mut zu machen. Sie sind noch voller Hoffnung und Mut und Lebenskraft. Ich sehe meine Aufgabe darin, sie zu begleiten damit sie das richtig einsetzen können.

M&C: Hast du Hoffnung?
SFR: Ich schließe mich Jane Goodall an, die ich sehr verehre und die auf diese Frage geantwortet hat: „Ja, ich habe Hoffnung!“ Und ich schließe mich Martin Luther an, der gesagt hat: „Wenn die Welt morgen unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“
Wir sollten immer Hoffnung haben, denn schon oft war es auf diesem Planeten so, dass fast alles Leben ausgestorben war und immer wieder hat sich die Natur durchsetzen können. Das Leben ist unglaublich stark. Was mir am Menschen so gut gefällt, ist, dass wir auch aus den schlimmsten Situationen immer wieder einen Ausweg gefunden haben. Ideenreichtum, Neugier und Begeisterung können wir für „die Sache“ einsetzen; dass wir Menschen für und nicht gegen das Leben kämpfen. Wenn wir das Leben mehr verehren als den Tod - dann können wir sehr viel Hoffnung haben.

Wir haben die Erde auf unserer Seite. Wenn wir uns wieder für die Erde einsetzen, hilft sie uns.

Das Interview wurde im August 2011 im Allgäu geführt.

Kommentare

Kommentar von Angela | 2017-Mä-28

Danke, danke, tausendmal danke für das wunderbare Interview. Es ist so, so aktuell. Danke, dass wir immer mehr werden im Clan der Menschen mit erwachten strahlenden Augen und einem glücklichen Lächeln. Danke, dass wir alle den Himmel zurückholen auf unsere schöne Mutter Erde. In bedingungsloser Liebe und grenzenloser Dankbarkeit seid alle herzlich umreicht, Angela

Kommentar von Angela | 2017-Mä-28

Danke, danke, tausendmal danke für das wunderbare Interview. Es ist so, so aktuell. Danke, dass wir immer mehr werden im Clan der Menschen mit erwachten strahlenden Augen und einem glücklichen Lächeln. Danke, dass wir alle den Himmel zurückholen auf unsere schöne Mutter Erde. In bedingungsloser Liebe und grenzenloser Dankbarkeit seid alle herzlich umreicht, Angela

Kommentar von Angela | 2017-Mä-28

Danke, danke, tausendmal danke für das wunderbare Interview. Es ist so, so aktuell. Danke, dass wir immer mehr werden im Clan der Menschen mit erwachten strahlenden Augen und einem glücklichen Lächeln. Danke, dass wir alle den Himmel zurückholen auf unsere schöne Mutter Erde. In bedingungsloser Liebe und grenzenloser Dankbarkeit seid alle herzlich umreicht, Angela

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