„Ich möchte meine Zeit sinnvoll nutzen“

Interview mit Stefanie Brendl, Hai-Taucherin, Abenteurerin und Naturschützerin

Stefanie Brendl taucht mit Tiger-Hai

Jährlich werden über hundert Millionen Haien bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten. Anschließend werden die verstümmelten Tierkörper ins Meer zurückgeworfen, wo sie qualvoll verenden. Aufgrund dieser Praxis gingen die Hai-Populationen in manchen Teilen der Erde, um bis zu 80 Prozent zurück.

In Ländern wie Singapur, China oder Hongkong gilt Haifischflossen-Suppe als Delikatesse und Statussymbol. Stefanie Brendl trug maßgeblich dazu bei, dass auf Hawaii seit Juli 2010 ein Gesetz gilt, das den Besitz von Haifischflossen kompromisslos verbietet. Ein Erfolg, der bereits in weiteren US Staaten und Ländern wie Malaysia, Hong Kong oder Guam Schule macht.

Ein Gespräch über die Anziehungskraft der Tiefe, positives Denken und die Liebe für das Leben.

Manuela & Carsten: Erzähl uns bitte etwas über deine Tätigkeit.
Stefanie Brendl: Ich habe Stark Allies vor drei Jahren als gemeinnützigen Verein gegründet, um die Hai-Forschung und die Umwelterziehung hier auf Hawaii voranzutreiben. Das Ziel von Stark Allies ist es, Wege zu finden, Haie zu schützen.

M&C: Welche Probleme treten dabei auf?
SB: Die größte Herausforderung dabei ist, dass die wenigsten Menschen über das so genannte „Shark-Finning“ Bescheid wissen. Shark-Finning ist die größte Bedrohung für Hai-Populationen weltweit. Ich muss immer ganz am Anfang beginnen, wenn ich mit Menschen darüber spreche, sei es in der Politik, der Erziehung oder beim Tauchen. Ich muss ihnen erklären, was die Funktion der Haie ist, was sie tun und was nicht. Auch muss ich immer wieder das Bild des blutrünstigen, menschenfressenden Hais wieder ins richtige Licht setzen.

M&C: Was genau ist Shark-Finning?
SB: Es ist eine unglaublich grausame Art, eine ganze Spezies durch Überfischung nahezu auszurotten. Die Haie werden dabei aus dem Wasser gezogen, die Flossen abgeschnitten und der Körper wieder bei lebendigem Leib ins Wasser geworfen. Der Hai sinkt dann zum Meeresboden und erstickt oder wird, unfähig zu schwimmen, von anderen Tieren angegriffen und gefressen. Die Flossen wachsen nicht wieder nach, der Hai stirbt qualvoll. Jährlich werden so bis zu einhundert Millionen Haie getötet! Diese riesige Zahl muss man sich erst einmal vorstellen. Der Großteil des Fisches wird nicht genutzt und einfach verschwendet. Es sind enorme Fangflotten unterwegs, die den Ozean leer räumen und gesamte Generationen von Haien auslöschen. Wenn eine ganze Generation an sich fortpflanzenden Tieren ausgerottet wird, kann sich diese Hai-Art für Jahrzehnte nicht erholen. Sie vermehren sich nicht millionenfach wie die Thunfische, sondern haben nur um die sechs bis zehn Babies alle eineinhalb Jahre. Es ist also ein ökologisches Disaster im großen Rahmen, aber die Menschen sehen es nicht, da es unter dem Meeresspiegel passiert. Außerdem sind Haie den Menschen nicht so wichtig. Shark-Finning wird überall betrieben, wo es Haie gibt, selbst in den unberührtesten Gegenden.

M&C: Warum wird es betrieben?
SB: Shark-Finning hat den alleinigen Zweck, Flossen für die Haifischflossensuppe zu gewinnen. Die Suppe ist nicht wirklich ein notwendiges Lebensmittel, es ist ein reines Status Symbol, das hauptsächlich in asiatischen Ländern wie Hong Kong, Singapore oder Taiwan gegessen wird. Hier war Haifischflossensuppe ursprünglich ein Privileg der Königsfamilien. Da in China die Mittelschicht rapide gewachsen ist, können sich das immer mehr Menschen leisten, und es wurde eine Delikatesse, die jeder serviert haben möchte. Mittlerweile ist es in China nicht mehr akzeptabel, Leute zum Essen einzuladen und keine Haifischflossensuppe zu servieren. Das Gleiche gilt für Hochzeiten. Aber manche Traditionen müssen beendet werden, und die chinesische Kultur kann auch ohne diese Suppe bestehen. Früher haben sie die Füsse der Frauen eingeschnürt, um sie klein und spitz zu halten, und das haben sie ja auch aufgehört.

M&C: Was könnten Lösungsansätze sein?
SB: Einmal müssen die Menschen aufgeklärt werden, um Bewusstsein dafür zu schaffen. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Medien, die eine große Rolle darin spielen, wie Haie in der Allgemeinheit angesehen werden. Die Allgemeinheit wiederum hat grossen Einfluss auf den Entscheidungsprozess der Politik und auf den Naturschutz. Der dritte wichtige Punkt sind rechtskräftige Gesetze und die Legislative.

M&C: Was ist die Rolle des Haies im Ökosystem?
SB: Haie sind unglaublich wichtig für uns, sie sind mit die wichtigsten Tiere im Öko-System Meer. Die Spitze der Nahrungskette ist im Ozean wie auf dem Land entscheidend für das Gleichgewicht, und diese zu entfernen, ist äußerst kritisch. Weiter unten in der Nahrungskette ist die Fortpflanzungsrate viel höher.
Die Haie arbeiten so zusagen als weisse Blutkörperchen im Ozean, sie reinigen ihn, entfernen die kranken, schwachen und toten Tiere und es gibt nicht viele andere Arten, die diesen Job übernehmen. Wale und Delfine, zum Beispiel, essen keine kranken und toten Fische. Nehmen wir zu Beispiel eine Thunfisch Population. Wenn hier die schwachen und kranken Tiere nicht entfernt werden, kann es zu einer fatalen Epidemie führen. Haie entfernen die kranken Individuen und so bleiben andere Populationen gesund und dadurch haben die starken Tiere die Möglichkeit, sich fortzupflanzen.

M&C: Ist der Handel mit Haifischflossen ein lukratives Geschäft?
SB: Es ist ein enormes, internationales Geschäft, und der Gewinn ist fast so groß wie der des Drogenhandels. Das erklärt wohl auch, warum es trotz Regulierungen immer stärker betrieben wird.

M&C: Warum tauchst Du mit Haien?
SB: Nicht nur weil ich sie schützen möchte. Ich bin fasziniert von ihnen und habe eine sehr starke Verbindung zum Ozean. Ich kann gar nicht anders, als ihnen helfen zu wollen. Ich fühle mich persönlich und emotional für sie verantwortlich. Einem wilden Tier nah zu sein, ist für mich ein absolutes Highlight. Ich habe auch bemerkt, dass es einen Riesen-Bedarf an Film- und Bildmaterial von Haien gibt, die sie in ein neues Licht stellen. Wenn ich mit Haien schwimme, ist eine meiner Intentionen, den Menschen zu zeigen, dass es möglich ist, sehr friedlich mit ihnen zu sein. Ich möchte ein positives Image der Haie zeigen, und dann können die Menschen immer noch selbst entscheiden, was sie über Haie denken. Es gibt bei mir keine Zähne, kein Jagen oder Angreifen vor der Kamera. All die, die diese Arbeit machen, wissen, dass die Aufnahmen von Angriffen inszeniert sind. Diese Aufnahmen werden dann natürlich gezeigt.

M&C: Fühlst Du dich mit den Haien verbunden?
SB: Ich denke, dass man mit ihnen verbunden sein muss als Voraussetzung, um überhaupt mit ihnen zu schwimmen. Wenn jemand mit Löwen arbeitet, muss er sich auch mit ihnen verbunden fühlen und sich der Situation genau bewusst sein. So fühle ich mich, wenn ich in den Ozean eintauche. Manchmal, wenn ich hinunter tauche und noch kein Tier da ist, fühle ich mich einfach mit dem Raum und dem tiefen Blau verbunden. Du bist da unten von Leben umgeben, du kannst es hören, fühlen und erahnen, und wenn dann die Haie auftauchen, bin ich schon tief verbunden mit ihrer Umwelt. Wenn du mal einen Tag hast, an dem du dich nicht so fühlst und zu viele Gedanken im Kopf hast, solltest du gar nicht erst ins Wasser gehen. Das passiert mir nie, denn in dem Augenblick, wenn ich untertauche, vergesse ich die Welt. Ich gehe ins Wasser und alles andere hört auf zu existieren, ich werde zu etwas anderem, auf einer anderen Ebene. Manche nennen das Meditation, es ist ein sehr langsames und bewusstes Gefühl. Das Denken hört dann auf, es ist purer Instinkt, Gefühl, ich betrachte die Strömung, das Sonnenlicht, meine ganze Umgebung. Ich möchte nicht behaupten, dass ich einer von ihnen werde, aber ich werde wirklich einfach eine weitere Kreatur der Tiefe.

M&C: Mit 'Shark Encounters', Deiner anderen Firma, ermöglichst Du Leuten das Tauchen mit Haien. Was erfahren Deine Kunden hier?
SB: Wir versuchen, Leuten die Möglichkeit zu geben, mit uns aufs Meer zu fahren und mit Haien zu schwimmen, auch wenn sie keine Taucher sind. Geschützt durch die Sicherheit eines Käfigs. Wir haben damals einfach einen Käfig gebaut, ihn ausprobiert und haben mittlerweile tägliche Touren. Es ist ganz einfach, die Leute melden sich an und schwimmen 15 Minuten später im offenen Meer, 200 Meter Wasser unter ihnen. Durch ein Fenster beobachten sie die Haie in ihrem natürlichen Habitat. Wir stellen ihnen viele Informationen zur Verfügung, klären sie auf, erzählen die Fakten und zeigen ihnen die Zähne von unterschiedlichen Gattungen. Wir versuchen auch etwas über die Notwendigkeit des Umweltschutzes zu sagen, aber wir erdrücken die Leute nicht damit. Manche Gäste müssen es einfach nur für sich erleben, sie brauchen Zeit im Ozean zu sein, sie möchten die Wolken, die Vögel und die Regenbögen betrachten und dann in den Käfig steigen. Sie müssen eine Menge Angst verarbeiten, um überhaupt ins Wasser zu gehen. Schwimmen, den Atem anhalten, aufgeregt sein, Angst haben, kreischen oder sich sogar übergeben, was auch immer es ist, das ist ein sehr tief gehendes Erlebnis. Sie sehen, wie die Haie kommen und vorbei schwimmen und am Ende sagen die meisten, dass sie am liebsten aus dem Käfig raus wollten, um die Haie zu berühren. Das Verarbeiten dieser Erfahrung braucht einige Zeit, aber dann erzählen die Kinder ihren Eltern davon und bringen Fotos mit in ihre Schule, um sie herum zu zeigen. Die meisten hätten nie gedacht, dass sie so etwas je tun würden. Viele schreiben uns später, dass es die unglaublichste Erfahrung war, die sie je gemacht haben und ihr Bild vom Ozean und den Haien ändert sich für immer.

M&C: Was war dein schönster Moment mit Haien?
SB: Ich hatte sehr tolle Momente mit Tigerhaien und einen sehr speziellen Moment mit einem grossen Weissen Hai. Es ist sehr schwer zu sagen, welcher besser war. Es gibt Momente grosser Aufregung und etwas Angst und andere Momente in friedlicher Verbundenheit. So etwas hatte ich mit einem grossen Weissen. Hier war ich die letzte Person im Wasser und nur der grosse Weisse Hai schwamm herum. Er drehte sich um und schwebte im Wasser, dann schaute er mich an. Es war eine sehr bewegende Erfahrung, ich hatte das Gefühl, dass mich jemand ansieht. Diese Momente sind dafür verantwortlich, dass ich die Verantwortung übernommen habe. Ich stieg aus dem Wasser und konnte mich nicht mehr abwenden. Dieser Hai hat mich gerade aufgefordert. Er sagte: "Du hattest das Privileg, hier zu sein, nun geh nach hause und fang an zu arbeiten." Tigerhaie sind die schönsten Haie und ich liebe es, sie zu filmen und mit ihnen im klaren Wasser zu schwimmen. Sie sind gross genug, um wie eine Persönlichkeit zu wirken. Ich war schon sehr nahe an ihnen dran und habe sie sogar schon berührt. Ich kann immer noch ihre Haut, ihre Flossen, ihre Bewegungen und ihre Muskeln an meiner Handfläche fühlen, das ist wie eingebrannt.

M&C: Was muss getan werden, um das Überleben der Haie zu sichern?
SB: Natürlich müssen wir aufhören, sie zu jagen. Wir müssen die Produkte verbieten, die aus ihnen gemacht werden. Des Weiteren denke ich, dass Haie ein Image Problem haben und das müssen wir ändern. Ich denke, die Medien sind der Schlüssel dazu und alle Programme, die den Hai als Bestie ausnützen. Die Menschen müssen beginnen zu sehen, dass die alles zerfleischenden Haie nicht der Realität entsprechen und bessere Sendungen einfordern. Der andere grosse Teil des Hai-Schutzes muss über die Politik und die Gesetzgebung, sowie deren Umsetzung erfolgen! Wir versuchen gerade ein Gesetz gegen Shark- Finning hier im Staat Hawaii durchzusetzen. Dieses Gesetz wäre der einfachste Weg, dieses Problem zu lösen.

Wir sind uns bewusst, dass die Staatsgrenzen Hawaii's nur 3 Meilen vor die Küste reichen, was dann aber in den Hoheitsgewässern der USA oder sogar in internationalen Gewässern passiert, steht auf einem anderen Blatt. Wir hoffen, dass wir eine Zone schaffen können, in der weder der Besitz, das Abladen, das Handeln noch das Konsumieren von Haifischflossensuppe erlaubt ist. Ob das die Zahl der gefangenen Haie verringert, wissen wir nicht. Vielleicht nicht, denn fangen kann man die Haie auch irgendwo anders. Trotzdem wird dieses Gesetz eine sehr wichtige Nachricht an die Welt sein und es wird vielen anderen Menschen Hoffnung geben, ähnliches ins Leben zu rufen. Unsere Arbeit zeigt, dass etwas, was viele für lange Zeit für unmöglich gehalten haben, plötzlich Realität wird. Man braucht die richtigen Menschen, in unserem Fall einen Senator, der das Rückrat hat, diesen Gesetzesentwurf bis zum Ziel mit zu tragen.

M&C: Du sagtest, das Gesetz ist der einfachste Weg, Shark-Finning zu verhindern. Warum?
SB: Der wichtigste Punkt, weshalb dieses Gesetz so effektiv sein wird, ist, dass es den Besitz von Flossen komplett verbietet. Es geht nicht darum, das Abschneiden von Flossen, sondern den Besitz von Flossen zu verbieten. Man darf dann einfach keine Flossen mehr besitzen. Wann immer eine Haiflosse auftaucht, entweder noch am Rücken des Fisches, getrocknet oder in der Dose als Suppe: Es ist illegal! Langfristig wird es auch das Fischen von Haien beenden. Es wird keine Ausnahmen geben und es macht die Kontrolle sehr einfach und zielgerichtet. Der Gesetzesentwurf ging schon durch das Repräsentantenhaus und durch den Senat. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist die Unterschrift des Gouverneurs. Das Gesetzt, würde ein Naturschutzgebiet für Haie entstehen lassen, in der Größe des Staates Hawaii. Das ist ziemlich groß!

M&C: Welchen Effekt hätte das Gesetz im globalen Kontext?
SB: Wenn dieser Gesetzesentwurf rechtsgültig wird, hat das mehrere Auswirkungen. Vor allem entsteht mitten im Pazifik eine Schutzzone, in der es kein illegales Fischen von Haien mehr geben wird. Je mehr, es von diesen Zonen auf der Welt geben wird, umso einfacher wird es sein, Gesetze zu überprüfen. Zweitens zeigen wir, dass es uns als kleine Gruppe möglich ist, etwas zu verändern. Darüber hinaus hilft es, das Gesetz auch auf Landesebene durchzusetzen. Allen Organisationen, die sich irgendwie für den Schutz für die Ozeane und die Haie einsetzen gibt es neuen Auftrieb. In Vergangenheit gab es viele große Rückschläge, wichtige Gesetzesentwürfe wurden einfach abgelehnt. Es gab nicht viel Unterstützung für den Schutz der Meere. Das In-Kraft-treten dieses Gesetzes macht vielen Hoffnung, dass wir doch etwas erreichen können. Ein weiterer Effekt, den wir nicht voraussagen konnten, war, dass die Chinesische Gemeinschaft nun vorbehaltsloser über das Thema "Shark-Finning" sprechen kann. Die Frau des ehemaligen Gouverneurs hier, die auch Chinesin und sehr angesehen ist, hat sich öffentlich sehr entschieden gegen Haifischflossensuppe ausgesprochen. Als Landsfrau konnte sie sagen, dass das Finnen nicht zur Kultur der Chinesen gehört. Es hat viele Chinesen in den Vereinigten Staaten und vielleicht auch in Hong Kong dazu bewegt, zu sagen: "Wenn sie das tun kann, kann ich vielleicht auch auf die Suppe verzichten." Denn speziell für jüngere Menschen in China ist es schwer, bei den Eltern anzusprechen, dass sie eigentlich keine Haifischflossensuppe auf ihrer Hochzeit möchten.
Organisationen in Hongkong und in Malaysia sprechen bereits darüber, wie und wann sie auf die Strasse gehen werden. Sie nehmen das Gesetz, zeigen es ihren Regierungsvertretern und fordern sie auf, das gleiche durchzusetzen. Und diese Länder werden noch viel wichtiger sein, da hier am meisten Suppe konsumiert wird.

M&C: Du lebst hier im Paradies und könntest einfach nur dein Leben genießen. Warum tust du das alles?
SB: Ja, ich könnte es einfach haben. Ich könnte am North Shore surfen gehen. Ich weiß nicht, ich bin mit einer Art Motivation und Antrieb verflucht, die mich immer wieder dazu bewegen, diese Gelegenheit, die mir offenbar geschenkt wurde, wahrzunehmen. Zuerst kamen die Haitouren für Touristen, die aus dem Interesse zum Tauchen entstanden. Hier habe ich realisiert, welche Wirkung das Haitauchen auf die Menschen hatte. Das war was ich tun sollte, und ganz ehrlich, was gibt es schöneres zu tun? Ich bin kein Forscher oder Meeresbiologe, aber ich habe mir in den letzten Jahren viel beigebracht. Ich denke, wenn man wirklich will, kann man in vielen Bereichen einen großen Unterschied machen. Ich möchte keine Gelegenheit verpassen, etwas Sinnvolles zu tun! Es tut mir sehr gut, Dinge anzupacken und zum Erfolg zu führen. Ich glaube, es gibt nichts schöneres als das.

M&C: Wo nimmst du die Kraft her all das auf die Beine zu stellen?
SB: Ich esse regelmäßig Müsli-Riegel (lacht laut). Ganz ehrlich, ich habe viel Stress, manchmal mach ich mir Sorgen und auf die ganzen Tragödien könnte ich auch gut verzichten. Aber ich stelle es nicht in Frage, ich lass mich einfach führen und mache, was sich richtig anfühlt. Ich versuche, das große Ganze zu sehen, aber ich lege den Schwerpunkt nicht darauf, ob etwas in der fernen Zukunft vielleicht passieren wird. Ich versuche, die Gelegenheit so wahrzunehmen wie sie kommt, um hier und heute etwas zu erreichen, ich versuche pro-aktiv zu sein und mich nicht mit Dingen aufzuhalten, die ich nicht tun kann. Ich habe immer einen Schritt nach dem anderen im Auge.

M&C: Denkst du, jeder Mensch hat die Wahl, etwas Sinnvolles anzupacken?
SB: Jeder kann etwas tun, daran glaube ich ganz fest! Unabhängig davon, was du bist oder hast. Jeder kann zumindest einen kleinen Teil beitragen. Nur etwas Bewusstsein im täglichen Leben würde schön helfen. Sogar etwas, was keine großen Opfer von dir fordert, kann einen großen Unterschied machen. Die Menge macht's. Bald wirst du noch einen kleinen Schritt machen und noch einen und bevor du überhaupt realisiert hast was du eigentlich tust, hat es schon eine positive Wirkung. Ich glaube, wir können nicht auf die kommende Generation warten, die sich um unsere Probleme kümmert. Wir müssen es jetzt tun. Und es gibt keinen Grund, es nicht jetzt zu tun!
Jeder hat die Wahl und jeder kann sich engagieren: Wenn du in einer Demokratie lebst, hast du sogar die Verpflichtung, dich in die Politik einzumischen. Zumindest sollte sich jeder dafür interessieren, was in seinem Land passiert. Manchmal haben kleine Taten große Wirkungen, wie dieser Gesetzentwurf hier in Hawaii. Ich habe nicht erwartet, dass wir hier einen historischen Gesetzentwurf ins Leben rufen, der eventuell den Schutz von Haien weltweit wesentlich beeinflussen wird. Ich habe nur gedacht: "Gute Idee, hier möchte ich mich irgendwie engagieren, auch wenn ich nur Flugblätter verteilen kann!" Am Ende bin ich völlig darin aufgegangen und immer noch hoch motiviert.

M&C: Wie hat dich die Arbeit mit Haien verändert?
SB: Sie hat mich sehr verändert. Vor 10 Jahren ging alles nur darum, die Welt durch das Reisen zu entdecken. Ich wollte sie durch das Fliegen, Tauchen und Wandern erfahren. Heute habe ich einen anderen Fokus, und ich bin mehr davon überzeugt, dass die Dinge, die ich anpacke, einen Grund haben und einer Mission folgen. Ich möchte meine Zeit sinnvoll verbringen. Das bezieht nicht nur meine Arbeitszeit mit ein, sondern mein ganzes Leben. Wenn ich frei habe, dann gehe ich mit Haien tauchen oder spreche auf Konferenzen über Haie oder den Ozean. Die nächsten Reisen, die ich unternehme, führen mich alle mit Leuten aus unterschiedlichen Organisationen zusammen, um über Ideen und Lösungen zu diskutieren. Meine Arbeit ist mein Leben und anders herum. Das ist mir bewusst und ich bin glücklich damit!

M&C: Hast du Hoffnung?
SB: Ich denke, Hoffnung ist etwas, was man niemals aufgeben kann. Hoffnung hat mir in wirklich schweren Zeiten geholfen zu überleben. Ich habe nie die Hoffnung verloren. Man kann auch in der prekärsten Situation versuchen, etwas Positives zu finden. Ich gebe mir immer Zeit, auch einmal verzweifelt zu sein, um dann aber schnell wieder aufzustehen, um zu fragen, wie ich die Situation ändern kann.

M&C: Wie fühlst du dich heute?
SB: Unglaublich gut! Es ist mir gelungen, dieses Projekt abzuschließen und der Ausgang des Gesetzes liegt nun nicht mehr in meinen Händen. Dafür habe ich viele Monate, für 24 Stunden, gelebt und geatmet. In den nächsten Wochen werde ich Umweltschützer in Kalifornien treffen, um über die Ereignisse hier zu berichten. Senator Hee wird mich begleiten. Er ist daran interessiert, das Gesetz auf Landesebene und international zu unterstützen. Wir gewinnen immer mehr an Momentum und es gibt immer mehr Menschen, die unsere Ziele mit tragen. Im Moment trägt mich eine Welle an positiven Aktivitäten und es gibt viel Teamarbeit. Jeder hilft zusammen, um das Gesetz auch woanders möglich zu machen. Das ist ein sehr gutes Gefühl.

M&C: Möchtest du unseren Lesern noch etwas sagen?
SB:
Bitte esst keine Haifischflossensuppe! (lacht) Die Menschen, die dieses Interview lesen, sind höchstwahrscheinlich schon davon überzeugt, dass der Ozean und die Umwelt Hilfe brauchen. Ich hoffe aber auch, dass sich noch mehr Leute für unsere Weltmeere interessieren und sich bewusst sind, was mit ihnen passiert. Wir müssen uns wirklich kümmern, nicht nur um die Haie, sondern auch um die Delfine, die Wale, um alles. Wir müssen endlich aufhören, den ganzen Plastikmüll zu produzieren. Das beginnt mit unseren Kindern, in der Schule, mit jeder kleinen bewussten Veränderung. Es beginnt damit, was man in seinen Abfluss schüttet oder die Toilette hinunter spült, denn das endet alles in unseren Ozeanen und damit in unseren Lebensmitteln. Ich möchte, dass jeder darüber nachdenkt, wie er das Meer schützen kann.
Ich möchte, dass wir alle das Meer lieben!

Wir trafen Stefanie Ende Mai 2010 in Haleiwa, O'ahu, Hawaii.

Am 28. Mai 2010 wurde das Gesetz vom Gouverneur des Staates Hawaii unterschrieben, kurz nachdem das Interview geführt wurde.

Kommentare

Kommentar von M. Frank | 2013-Jan-6

Alles hat seinen Ursprung aus dem Meer. Jeder hat also Grund dazu, ihm mit Respekt zu begegnen und sich entsprechend zu verhalten. Eben wie generell respektvoll mit unserem Planeten umzugehen ist - wir sind schließlich Gast auf ihm!!

Kommentar von Elisabeth Eberhard | 2013-Jan-27

Liebe Stefanie,

wie der "ZU-FALL" (oder besser gesagt der liebe Gott) es so will habe ich Dich heute entdecken dürfen. Ich bin während der Wintermonate auf Samui und schreibe gerade an meinem Büchlein "Diagnose: Krebs! Was tun?". Heute abend spürte ich um ca. 22 Uhr einen inneren Befehl, dass ich das Fernsehen in meinem gemieteten Hotelzimmer einschalten soll (ich schaue in der Regel kein Fernsehen). Und dann kam ein Dokumentationsfilm über Haie, der Dich und Dein Engagement sehr anschaulich und bewegend zeigte. Ich musste weinen über die Umgangsweise mit Haien, über die Qualen und Leiden der Haie, so schrecklich, so herzzerreisend. Dann suchte ich gleich im Intnernet nach Dir, sah Filme und mir kamen Tränen der Traurigkeit und Tränen der Hoffnung. Du bist ein Engel auf Erden und setzt Dich für Gottes Schöpfung ein. Vielen vielen Dank aus tiefstem Herzen. Ich wünsche Dir Kraft und viel Unterstützung weltweit. In meinem Büchlein werde ich Dich würdigen. Mein Büchlein ist ein Dankeschön, weil mein Partner noch leben darf dank Gott und Gottes Helfer und ich durch seine Krebskrankheit vor meinem frühzeitigen Tod geschützt wurde.

Vielen Dank für Dein Interview, das meine Seele tief bewegte und ich Deine Berührung des Hais spüren konnte (Tränen des Glücksgefühls kullerten). Danke für Deine Mit-Teil-ung, für das Mitfühlen-Dürfen: "Es war eine sehr bewegende Erfahrung, ich hatte das Gefühl, dass mich jemand ansieht. Diese Momente sind dafür verantwortlich, dass ich die Verantwortung übernommen habe. Ich stieg aus dem Wasser und konnte mich nicht mehr abwenden. Dieser Hai hat mich gerade aufgefordert. Er sagte: "Du hattest das Privileg, hier zu sein, nun geh nach hause und fang an zu arbeiten."

Also: Fleissig weiterarbeiten. Du weisst: Dein Auftraggeber-Hai hört und sieht alles...

In Liebe und Dankbarkeit
Elisabeth

Kommentar von Michael Jungnickl | 2014-Feb-16

Es gibt außerdem für Fischerei und Tourismus weitere Gründe die Jagd auf Haie einzustellen: In einer Studie die in Spektrum der Wissenschaft veröffentlich wurde prosperieren von der Jagd auf Haie die kleineren Raubfische. Daher sinkt der Bestand an Fischen und Muscheln um 20-70%. Die Studie hat dies untersucht, und schätzt den Schaden für die USA Fischerei auf ca. 10 Mrd. Euro jährlich.
Ein anderer für den Menschen gefährlicher Räuber ist die Wolfskrake. Obwohl nur 1 1/2 m lang taucht sie dort auf wo der Hai verschwindet. Diese Tiere fallen in Rudeln über Taucher und Schwimmer her. Es gab bereits mehrere Todesfälle, und weitere sind wohl nur deswegen nicht bekannt weil die Tiere ihre Opfer unter Wasser ziehen. Die Kraken sind gebenüber den Haien auch nicht empfindsam, d.h. bei Gegenwehr ziehen sie sich nicht zurück. Und Zäune vor einem Strand helfen dann wohl auch kaum, den die Tiere sind elastisch und intelligent um Hindernisse zu überwinden.
Ich habe diese zwei Themen man hinzugefügt damit sie mehr Argumente gegen die Jagd auf Haie haben.

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